Die drei Atemkumpels

Die drei Atemkumpels

Zwerchfell, Psoas und Beckenboden sind zwar nicht anatomisch miteinander verbunden, bilden aber ein funktionelles System, das Atmung, Haltung, Bewegung und Stressregulation miteinander verbindet.

Das Zwerchfell, unser wichtigster Atemmuskel, trennt den Brust- und Bauchraum und ist an der Lendenwirbelsäule fixiert. Der Psoas ist der zentrale, tief gelegene Kernmuskel, der die Lendenwirbelsäule mit den Oberschenkeln verbindet und eine zentrale Rolle für Haltung und Bewegung spielt. Der Psoas wird auch oft als „Emotionsmuskel“ bezeichnet, weil er direkt mit unserem sympathischen Nervensystem und infolgedessen mit unserer Stressreaktion, unserem Kampf- und Fluchtverhalten, Angst und Anspannung in Verbindung steht. Der Beckenboden ist der dritte im Bunde und bildet den unteren Abschluss des Rumpfes, stützt die Organe und arbeitet als Gegenspieler zum Zwerchfell und ist mit diesem auch in Struktur und Funktion vergleichbar.


Eine funktionelle Einheit

Zwerchfell, Psoas und Beckenboden sind – wie bereits erwähnt – nicht direkt anatomisch verbunden, aber über Faszien und Bindegewebe so eng miteinander verknüpft, dass sie ein zusammenhängendes, stabilisierendes und regulierendes System bilden. Die „3 Kumpels“ spielen in unserem Körper nicht nur bei Atmung und Haltung, sondern auch bei Bewegung und Stressregulation eine wichtige gemeinsame Rolle. Ihre „Freundschaft“ beeinflusst maßgeblich unser körperliches und emotionales Wohlbefinden.


Die Bedeutung der Atmung

Das Zwerchfell spielt eine zentrale Rolle in diesem System, da es durch seine Bewegungen den intraabdominalen Druck reguliert. Bei der Einatmung senkt sich das Zwerchfell, wodurch der Druck im Bauchraum steigt und der Beckenboden leicht nachgibt. Bei der Ausatmung hebt sich das Zwerchfell wieder, der Druck sinkt, und der Beckenboden aktiviert sich erneut. Der Psoas stabilisiert dabei die Lendenwirbelsäule und unterstützt die Bewegungskoordination zwischen Ober- und Unterkörper. Dieses harmonische Zusammenspiel sorgt für eine stabile Haltung, eine effiziente Atmung und eine optimale Druckverteilung im Körper.

Stress und seine Auswirkungen auf das System

Jede Art von Stress und Belastung hat einen direkten Einfluss auf das Zusammenspiel von Zwerchfell, Psoas und Beckenboden. Bei einer Stressreaktion wird das autonome Nervensystem aktiviert, insbesondere der Sympathikus, der für die „Kampf-oder-Flucht“-Reaktion verantwortlich ist. Dies führt zu einer erhöhten Muskelspannung, einer flacheren Atmung und einer eingeschränkten Beweglichkeit des Zwerchfells. Der Psoas reagiert mit Anspannung, da er als Schutz- und Fluchtmuskel fungiert. Der Beckenboden kann entweder verspannen oder erschlaffen, was die Druckregulation im Bauchraum beeinträchtigt.

So kann eine traumatische Stresssituation oder anhaltender chronischer Stress langfristige Veränderungen im Körper hervorrufen. Das Zwerchfell bleibt in seiner Beweglichkeit eingeschränkt, die Atmung wird flacher und weniger variabel, und der Psoas verharrt in einer chronischen Grundspannung. Nicht selten sind Rückenschmerzen, Hüftsteifigkeit und ein Gefühl von innerer Unruhe das Resultat einer solchen erhöhten Grundspannung. Der Beckenboden verliert seine Elastizität und kann entweder chronisch verspannt oder abgeschwächt sein, was die Stabilität des Rumpfes beeinträchtigt.


Die Regulation des Systems

Die Atmung ist der einfachste und direkteste Zugang zur Regulation des Zusammenspiels der 3 Kumpels Zwerchfell, Psoas und Beckenboden. Es ist bekannt, dass eine ruhige, langsame Atmung das Stresslevel senkt, die Spannung im Psoas reduziert und die elastische Reaktion des Beckenbodens fördert. Im Gegensatz dazu hält eine flache, schnelle Stressatmung den Körper in erhöhter Alarmbereitschaft und verstärkt die Muskelspannung.
Aber auch gezielte Körperübungen oder eine Kombination aus Atmung, Bewegung, Aktivierung und Deaktivierung können zielführend auf dieses System einwirken, um bei Bedarf wieder zu mehr Balance und Wohlbefinden zurückzufinden.


Alexander Jonas
Atemtraining/Mentaltraining/Coaching
T: +43 699 19291274
M: office@spirah.net
www.alexander-jonas.at
www.spirah.net





Das Nobelpreismolekül
Menschen, Wissenschaft

Was haben Stickstoffmonoxid, Dynamit und die Atmung gemeinsam? 1992 wurde Stickstoffmonoxid (NO) vom Wissenschaftsmagazin „Science“ zum Molekül des Jahres ernannt. Folglich erhielten Robert F. Furchgott, Louis J. Ignarro und Ferid Murad sechs Jahre später für ihre Entdeckungen rund um dieses bereits berühmte Molekül den Nobelpreis für Medizin. Im Jahre 1998 wurden die Arbeiten der drei amerikanischen Wissenschaftler über „Stickstoffmonoxid als…

Die vielen Entdecker des Stickstoffs
Menschen, Wissenschaft

Die Entdeckungsgeschichte des Stickstoffs ist der des Sauerstoffs nicht nur sehr ähnlich, man stößt letzten Endes – vielleicht sogar wenig überraschend – zum Teil auf dieselben Protagonisten. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts war jedenfalls die Phlogistontheorie (griechisch phlogistós = verbrannt) von Georg Ernst Stahl (1659 – 1734) die anerkannt gültige Lehrmeinung. Die Phlogistontheorie besagte, dass bei jeder Verbrennung, je…

Entdecker des Sauerstoffs - wer war's?
Menschen, Wissenschaft

Die Geschichte des vielleicht „wichtigsten“ Elements unserer Atemluft, dem Sauerstoff, beginnt Anfang des 18. Jahrhunderts. Damals ging man noch von der Existenz eines Elements namens Phlogiston aus, das bei Verbrennungsvorgängen abgegeben wird. Georg Ernst Stahl (1659 – 1734) formulierte die Phlogistontheorie, die besagt, dass bei jeder Verbrennung, je nach Ausgangsstoff mehr oder weniger Phlogiston entweicht und bei der Erwärmung in…